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24. 09. 2008

Flaschensammler

Was war das nicht für ein Geschrei, als das Zwangspfand für Kunststoff-Flaschen eingeführt wurde. Inzwischen regt sich nicht wirklich noch jemand darüber auf (von den kniffligen Kriterien, was denn immer noch pfandfrei sein darf, abgesehen), es gibt sogar echte Nutznießer des Konzepts, die Flaschensammler. Flaschensammler sammeln solche Flaschen ein, die von bequemen Zeitgenossen (im Folgenden “Flaschenspender” genannt) nicht zurück gegeben wurden und kassieren ihre 25 Cent pro Flasche, was die Plastikflaschen ebenso wie beim Einkauf attraktiver erscheinen lässt als die Glasflaschen, die bei deutlich höherem Gewicht nur 7 Cent einbringen.

Einerseits begrüße ich jedes Engagement für den Umweltschutz und wenn dies auch noch mit einer Art freiwilliger Sozialabgabe durch die Flaschenspender gekoppelt ist, warum nicht?Andererseits erinnert der Vorgang frappant an das Durchsuchen von Müllkippen, wie es von Kindern in Entwicklungsländern berichtet wird - ist das in Deutschland wirklich nötig?
Flasche auf Muelleimer

In dieser Reihenfolge habe ich die verschiedenen Unterarten kennen gelernt:

  • Der U-Bahn-Sammler klappert die Abfalleimer von U-Bahn-Stationen ab. Mit einer einzigen Fahrkarte kann man das für die Verkehrsknoten, mit einer Tageskarte gar systematisch angehen. Einen besonders motivierten Sammler habe ich dieser Tätigkeit trotz schwerer Sehbehinderung nachgehen sehen, der Schauder war ganz meinerseits.
  • Der Fernreise-Sammler durchkämmt Züge der Deutschen Bahn. Die großen Abfallbehälter am Wagenende liegen anscheinend nicht im bequemen Radius des Flaschenspenders oder sind unbekannt, wogegen die leicht erreichbaren am Sitz nicht einmal ein kleines Fläschchen fassen. Problematisch ist die begrenzte Aufenthaltsdauer der Züge im Bahnhof und sicher auch die Tatsache, dass die im Dezember wieder steigenden Bahnpreise auch ohne Bedienungszuschlag weniger vom Reise-Etat für Getränke übrig lassen.
  • Profi-Sammler: Der Zweig der Müllabfuhr, der sich mit dem Einsammeln der gelben Säcke befasst (das hiesige Verfahren, um die Verpackungen mit dem “grünen Punkt” zu entsorgen), hat ebenfalls entdeckt, dass sich das nachträgliche Aussondern der Pfandflaschen lohnt und diesen Arbeitsschritt in das Aufladen der Säcke integriert. Ob dies zur Reduktion der Müllgebühren oder zur persönlichen Einkommensaufbesserung geschieht, sei dahingestellt.
  • Der Kurpromenadensammler: Hier verbindet sich der Sammelvorgang mit einem ausgedehnten Spaziergang. Je nach Länge der Promenade kann es erforderlich sein, sich Proviant einzupacken, um sich bei einem kleinen Päuschen für den Rückweg zu stärken, der dann fast ausschließlich der Erholung dienen kann.
  • Kommerzsammler: Diese Spezies habe ich auf einem Autobahnrastplatz beobachtet. Die dortigen Großcontainer haben zwar nur einen Einwurfschlitz, aber mit der passenden Ausrüstung, hier einem Teleskopgreifer, kann auch diesen erschwerten Bedingungen begegnet werden. Prinzipiell wäre die Ausbeute sicher auch noch durch Einsatz eines endoskop-artigen Gerätes, das verbesserte Sichtungsmöglichkeit mit Beleuchtung und Greifer kombiniert, zu steigern. Bei den derzeitigen Benzinpreisen und den Entfernungen zwischen den Rastplätzen wundert mich doch, dass das Verfahren rentabel ist, aber vielleicht beschränkt sich die Tätigkeit ja auf die Hauptreisezeiten.

Meiner Beobachtung nach hat der Getränkekonsum in der Öffentlichkeit hat natürlich insgesamt in den letzten Jahren erstaunlich zugenommen, was sicher nicht nur auf die globale Erwärmung zurückzuführen ist, oder auf die Appelle von Gesundheitsaposteln, mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Vielleicht ist das Nuckeln an der Flasche ein Ersatz für das verbotene Rauchen oder dient dem Befeuchten der Sprechorgane nach ausgedehnter Mobilkommunikation?

Von gt unter • GesellschaftUmweltWirtschaft
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02. 04. 2007

So lasst uns denn ein Batteriebäumchen pflanzen!

Wie viele Batterien verbraucht ein Bundesbürger, was macht er anschließend damit und warum?

Nach Angaben eines Akku-Herstellers verbraucht jeder Deutsche im Durchschnitt etwa 16 Batterien im Jahr, davon sind 80% nicht wieder aufladbar. Das ist schon ein ganz ordentlicher Haufen, aber bei der Armada mobiler Elektrogeräte, die inzwischen als unverzichtbar gelten, nicht wirklich erstaunlich; vibrierende Klingenrasierer, digitale Küchenwecker, Milchaufschäumer, MP3-Player, und demnächst wieder ganz aktuell: Mini-Ventilatoren.

Jede dieser Batterien trägt ein kleines Symbol mit einer durchgestrichenen Mülltonne, die bedeuten soll, dass man sie nicht in den Hausmüll werfen darf. Gut informierte Zeitgenossen wissen sogar, dass es in jedem Laden, der Batterien verkauft, eine Papp-Schachtel gibt, die leer gelutschte Mikro-, Mignon und andere -zellen zurücknimmt. Die zahlt zwar kein Geld in Gutschein-Form aus, wie die Kollegen, die PET-Flaschen so genüsslich zermahlen, es wird aber immerhin auch keines verlangt.

Ist das Symbol einfach missverständlich? Nach Meinung einiger Mitmenschen bedeutet es vielleicht doch, dass man leere Batterien zwar in keinem Fall in die Mülltonne werfen darf, sonst aber überall hin. Man „vergisst“ sie auf dem Sitz in der U-Bahn, lässt sie dort fallen, wo sonst Hunde ihr Geschäft verrichten oder wirft sie aus dem Autofenster. Das würde die Mengen erklären, die am Straßenrand herumliegen. Möglicherweise ist das nur der Versuch, Bäumchen zu pflanzen, die den vermutlich weiter steigenden Verbrauch decken. Nun ist zwar zwischenzeitlich kein Quecksilber mehr in den Zellen, aber zum Dünger taugen sie noch lange nicht.

Andererseits sehnen wir uns vielleicht insgeheim nach einer Landschaft aus Batteriebäumchen, Kronkorken-Kräutern, Glassplitter-Gräsern und Dosendickichten?

Von gt unter • TechnikUmwelt
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