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Alles Gute, Robert Schumann
Aufgrund der kleinen Unstimmigkeit war es wohl doch nicht beabsichtigt:

Auch die Volks- und Raiffeisenbanken gratulieren dem Tondichter Robert Schumann zum zweihundertsten Geburtstag. Ganz zeitgemäß gibt es einfach Geld, hier in Form einer Kreditkartenaufladung per easy Credit, bekannt durch die vorher Frankenstadion genannte Spielstätte des 1. FC Nürnberg. Dass die Karte nur bis 00/00 gilt, wird Robert sicher nicht mehr stören.
Schade nur, dass ein minimaler Fehler (siehe Kartennummer) das Bild trübt: Robert Schumanns Geburtstag ist nämlich erst heute, am 8. 5., aber wegen zweier Tage wollen wir nicht abergläubisch werden. Die CD-Empfehlung zum Jubiläum: Florian Uhligs Einspielung des Schumann-Klavierkonzerts, erschienen bei Hänssler.
Das Werner Icking Musikarchiv liegt darnieder
Nach IMSLP, die von Oktober 2007 bis Juli 2008 eine juristische bedingte Zwangspause eingelegt haben, hat es dieses Mal ein weiteres Notenportal erwischt: das Werner Icking Musikarchiv.
Das Musikarchiv, das als verlässliche Stütze während der Auszeit von IMSLP diente, hat nun selbst mit Problemen zu kämpfen. So wie der Text sich liest, leidet es an zu starker Nachfrage, so dass der eigentliche Zweck der Server, die Abteilung für Informatik der Universität Aarhus zu versorgen, gefährdet ist. Die Prognose ist ebenfalls düster. Soll es tatsächlich keine Organisation geben, die an tausenden von Downloads pro Tag interessiert ist und, notfalls für Einstreuen von Werbung, diese Aufgabe übernehmen mag? Es ist schon traurig, dass Klatschnachrichten, die schon morgen uninteressant sind, hundertfach feil geboten werden, während solche wichtigen Portale an übermäßiger Nachfrage eingehen. Fast liegt mir ja “Google hilf” auf der Zunge!
IMSLP wieder auferstanden
Anlass zur Freude für Hobbymusiker: Das International Music Score Library Project (etwa “Projekt internationale Notenbibliothek”) ist wieder im Netz.
Wer die Geschichte nicht kennt: Dieses Projekt, das in der Art der Wikipedia mit Hilfe vieler Freiwilliger Noten gesammelt und ins Netz gestellt hat, hatte im Oktober 2007 auf juristische Drohgebärden des Verlags Universal Edition aus Österreich hin das komplette Angebot eingestellt.
Nun ist die juristische Sachlage ohnehin kompliziert genug - das Urheberrecht verfällt in Kanada, wo das Projekt beheimatet ist, eher als in Europa und die zentrale Frage ist: welche Schutzmechanismen, wenn überhaupt, muss ein Informationsanbieter vorsehen, um das Herunterladen von Informationen in ein Land zu verhindern, in dem das Urheberrecht für diese Informationen noch gilt? Diese Frage wurde aber durch Störfeuer verschiedenster Art vernebelt: In Einzelfällen hatte IMSLP auch gegen kanadisches Urherberrecht verstoßen. Universal Edition hatte zwar nicht verlangt, das komplette Angebot abzuschalten, sondern wahlweise besagte Schutzmechanismen gefordert oder alternativ eine sehr umfangreiche und teilweise fragwürdige Liste von Komponisten zu löschen verlangt, ohne sich mit Gründen und Details aufzuhalten und den IMSLP-Leuten war die Angelegenheit dann erst einmal zu brenzlig, so dass sie zum radikalen Mittel der Komplettsperre griffen. Die daraufhin offenbar zahlreich eingegangenen, teilweise sehr ungehaltenen Wortmeldungen trübten die Atmosphäre nachhaltig und Universal Edition war zumindest anfangs sehr bemüht, den Eindruck zu zerstreuen, es handle sich um das Klischee “böser Konzern gegen wohlmeinende Freiwillige”, wurde aber immer schweigsamer.
Nach Diskussionen mit Verantwortlichen von Wikipedia, dem Projekt Gutenberg, GNU und anderen offenen Gemeinschaftsprojekten und offenbar sogar mit der Unterstützung einiger Musikverlage hat IMSLP diese Woche feierlich wieder eröffnet. Ich verkneife mir jegliches Feixen und summe “viva, viva la musica!”.
Klassische Musik auf dem Rückzug
Vom steten Rückzug der Klassik aus dem Musikhandel
Die klassische Musik ist ein Auslaufmodell. Wer da noch irgendwelche Zweifel hat, möge sich in einen Laden für Waschmaschinen, Rasierer, Computer, Stereoanlagen und CDs oder wahlweise Parfum, Schreibwaren, Katzenfutter und CDs begeben und in der CD-Abteilung nach klassischer Musik suchen. (Die reinen CD-Läden sind praktisch schon ausgestorben.) Aller Wahrscheinlichkeit nach muss man dort entweder nach dem Weg fragen oder mit höchster Aufmerksamkeit vorgehen. Typisch auch für große Märkte sind etwa zwei Regalmeter. Zieht man davon die unverwüstlichen Karajan-Aufnahmen in der fünften Nachpressung ab und die Werke solcher Interpreten, deren musikalische Verdienste zwischenzeitlich vom Personenkult oder vermarkteten Image verdeckt werden (also beispielsweise Andrea Bocelli, André Rieu, Luciano Pavarotti, Anne-Sophie Mutter und Anna Netrebko) dann bleibt ein kümmerlicher Rest von Billigaufnahmen, zart garniert mit ein paar Neuerscheinungen sowie CDs von Künstlern, die demnächst in der Gegend auftreten oder kürzlich aufgetreten sind. Aus unerfindlichen Gründen sind darunter zwar mehrere Aufnahmen von Beethovens neunter Sinfonie, aber exotischere Werke (etwa ein Streichquartett) oder gar exotischere Komponisten sucht man vergebens.
Ein Verkäufer gab unlängst zu, dass ihn als Klassikanhänger das selbst schmerze, der Anteil am Umsatz aber keine breitere Würdigung zulasse. Ich finde ja, dass die Märkte sich diese paar Klassik-CDs auch noch schenken könnten: mein Bedarf an Beethovens Neunter ist gedeckt und das ganze übrige Angebot lockt mich kein bisschen. Ob die Laufkundschaft, die schnell für die Oma noch etwas “Klassisches” sucht, fündig wird, sei dahin gestellt. Damit dreht sich die Abwärtsspirale zu noch weniger Umsatz und noch weniger Angebot schon weiter.
Ein einfacher Ausweg ist nicht in Sicht: Musikliebhaber möchten sich die Musik nicht einfach “nackt” herunterladen, also ohne Beiheft. Sei es, weil bei exotischen Komponisten die Wikipedia nicht über die Vornamen, Geburts- und Todesjahr hinausgeht, sei es, weil man zu einer Opernaufnahme die Besetzung studieren oder das passende Libretto mitverfolgen möchte ohne bei jedem gestrichenen Rezitativ in hektisches Blättern zu verfallen - es geht nicht ohne Beiheft. Bei Chandos und Hyperion kann man das manchmal immerhin schon separat herunterladen; da es aufgrund des Formats nicht einfach ausgedruckt werden kann, darf bezweifelt werden, ob es im kritischen Moment zur Hand ist.
So bleiben nur die Internet-Versender, aber das gute alte Stöbern ist durch noch so viele Lieblingslisten oder Hinweise wie “Käufer dieses Artikels bestellten auch…” nur bedingt zu ersetzen.
Vorgänger und Nachfolger des MP3-Players
Geschichte wiederholt sich doch: vor vielen Jahren transportierte man seinen musikalischen Reiseproviant mit Hilfe eines Radiorekorders, der etwa im Extremfall die Größe eines mittleren Umzugskartons erreichen konnte (liebevoll „Ghettoblaster“ genannt). Die Umwelt durfte aufgrund der ungezügelten Beschallungskraft gerne etwas abhaben.
Dann erfand jemand im fernen Osten ein sehr viel kleineres Gerät, das zwar ebenfalls Kassetten abspielen konnte, aber nur eine Kopfhörerbuchse aufwies. Das Missionieren für den eigenen Musikgeschmack war so zwar immer noch möglich, indem man einen Ohrstöpsel abgab, aber das maximale Auditorium war bereits bei zwei Personen erreicht, von der unbequemen Verkabelung ganz abgesehen. Es wurde stiller in den U-Bahnen, von den Schwerhörigen und solchen, die es werden wollten, abgesehen, aus deren Ohrhörer weiterhin Tschick-tschick-tschack zu vernehmen war.
Die Geräte mutierten mit ihren Datenträgern (was die Größe beeinflusste): nach Mini-Disc und CD-Rom ist das Medium heute ganz entfallen. Der räumlich winzige wenn auch fassungsfreudige Speicherbaustein wird direkt am heimischen Rechner betankt, was die die Größe einer Kaugummipackung erlaubt. Einer weiteren Miniaturisierung steht derzeit noch die Notwendigkeit von Anzeige (welches der vielen hundert Stücke gerade abgespielt wird) und Bedienungselementen (wenn dieses Stück nicht das gewünschte ist) im Weg.
Nun tritt die nächste Evolutionsstufe in Kraft: ein anderes Gerät, welches ursprünglich dem Kommunizieren dienen sollte, ist ebenfalls an die Grenze der Bedienbarkeit geschrumpft. Die schlauen Ingenieure, die sich ersatzhalber nach zusätzlichen Funktionen umgesehen hatten, fanden: da Klingeltöne sich inzwischen von einem Musikstück in Vielstimmigkeit und Dauer ohnehin nicht mehr unterscheiden, ist nur ein winziger Schritt nötig, beinahe nur eine Abspieltaste und etwas mehr Speicher. Die geschätzte Kundschaft der neuesten Gerätegeneration kann unter Zuhilfenahme des Mithör-Lautsprechers die sicherlich danach lechzende Umwelt wieder teilhaben lassen. Hört man über die Verzerrung aufgrund dramatisch überhöhter Lautstärke hinweg, ist beinahe wieder der Ausgangspunkt erreicht. Die Musik ist natürlich eine andere…