Die Sucht nach mehr
Ein sprachlicher Defekt ist auf dem Vormarsch: die Sucht nach mehr greift bei der Benennung eines Ladens oder einer Firma um sich und zwar sowohl in deutscher als auch englischer Ausprägung. Über die Ursache dieses Phänomens darf gerätselt werden…

Ist es nur einfacher, ein Beispiel aus dem Angebot auszuwählen und “und mehr” anzukleben, als den passenden Oberbegriff aufzuspüren?
Oder soll es geheimnisvoller klingen, wenn man “Coffee and more” verkündet statt eines abgedroschenen “Kaffee & Kuchen”? Wobei seit geraumer Zeit die Leute in ein Café gehen und ungeniert Tee, Limo und andere Nichtkaffees bestellen; traut man das der Allgemeinheit heute nicht mehr zu? Hübsch ist auch die Vorstellung, dass jemand in einen fachfremden “und mehr”-Laden tritt und ungeniert nach einer Packung Edelstahl-Innensechskantschrauben fragt, worauf die Bedienung triumphierend unter die Theke greift und das Gewünschte hervor zieht.
Die Deutung des “mehr” ist beim Spielkasino ist es noch relativ einfach: hier wird das Verlieren kaschiert. Kniffliger sind die beiden Beispiele, die sich “und Meer” lesen. Ob sich hier zur Einfallsarmut noch ein Rechtschreibfehler gesellt? Oder sind über das sonstige Angebot hinaus doch vielleicht Ferienwohnungen an der See zu mieten?
Wenn der Mehrheitsdrang weiter anhält, hier noch einige Vorschläge für die Zukunft: Manche Kette von Kaffeeröstern müsste zwischenzeitlich ohnehin bei Sortierung nach Artikelanzahl „More & coffee“ heißen, der Metzger könnte unter „Wurst und mehr“ firmieren, eine Schnellrestaurant-Kette unter „Hamburger und mehr“, Banken dürfen sich, um der Finanzkrise zu trotzen, mit einem kostengünstigen aber ungemein stilvollen “Money & More” schmücken und die Geheimniskomponente lässt sich durch “More & more” steigern…
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