23. 05. 2008

Ist Englisch gleichbedeutend mit Computer-Fachvokabular?

Im Englischen sind vermeintliche Fachbegriffe aus dem Computer-Umfeld gar keine, “Mail”, “Window”, “Button”.
Bis auf einzelne Felsen in der Brandung, wie Bildschirm, Tastatur, Maus und Festplatte, haben sie sich trotzdem in vielen Fällen durchgesetzt.


Das bringt einige Probleme mit sich…

Die Probleme sind:

  1. Beim Genus ist man häufig auf sich allein gestellt: heißt es “der”, “die” oder “das” Task?

    Meine Theorie ist, dass sich der Artikel oft - wenn nicht gar meistens - nach dem verdrängten deutschen Substantiv richtet, daher “die” Mail (Post), “das” Window (Fenster), “der” Button (Knopf), “die” CPU (Zentraleinheit), “die” Hardcopy (Kopie) und eben auch “die” Task (Aufgabe).

  2. Die Beugungsformen sind nicht trivial, wie man schon bei der Mehrzahl zum Hauptwort “Handy” sieht.

    Beim Partizip wird es richtig abenteuerlich, weil mehrere Sprachgrenzen zu queren sind: Wenn man einen Download erfolgreich durchgeführt, kommen (deutsche Teile in Großbuchstaben) “downGEloaded”, “downGEloadET” und “HERUNTER GELADEN” in Frage; für Dateien, die man so im Internet ablegt, dass auch andere darauf zugreifen können, habe ich schon “GEsharT” entdeckt - grauenhaft. “GErippT” für den Vorgang, von einer Musik-CD MP3-Dateien zu erstellen, fällt in die selbe Kategorie.

  3. Jegliches Regulativ fehlt; ist ein neues Wort wirklich sinnvoll oder gibt es schon etwas Passendes?

    Kürzlich bin ich über das Wort Leecher gestolpert, das die Teilnehmer eines Tauschdienstes beschreiben soll, die nur nehmen ohne etwas beizutragen. Es kommt von leech, dem Wort für Blutegel, das einem in heutiger Literatur nicht gerade oft begegnet. Deswegen halte ich Schmarotzer für weit überlegen: leicht zu verstehen, trifft genau. Einzug in die deutsche Wikipedia hat “leechER” bzw. “leechEN” natürlich trotzdem gehalten: Geht ja ganz schnell, das kann jeder. Die Kehrseite: weil man es in der Wikipedia findet, ist das Wort als existent geadelt; ist es also unnötig, auch nur einen Gedanken an Alternativen zu verschwenden?

Selbstversuch: Man kann zum Browser Firefox ein stark eingedeutschtes Sprachpaket herunterladen. Nach wenigen Tagen kam es mir gar nicht mehr komisch vor, statt eines Cookie einen Keks angeboten zu bekommen und Randfenster ist deutlich griffiger als side bar.

Klar, für ein paar Begriffe gibt es keine richtig naheliegenden Entsprechungen:  für Icon kann zwar Symbol sagen, aber hat damit einem Fremdwort mit vielen Bedeutungen noch eine weitere aufgehalst; also Bildchen?

Was ist mit Browser oder (USB-)Hub?

Der Verein für deutsche Sprache startet immer wieder Wettbewerbe, um für schwierigere Kandidaten deutsche Entsprechungen, gerne auch frisch geprägt, zu suchen. Klapprechner statt Laptop  halte ich für ein Paradebeispiel, es fügt sich wunderbar in die Reihe Taschenrechner (kein Mensch sagt hierzulande Pocket Calculator), Tischrechner (die mit der Papierrolle) und einfach Rechner (statt Computer oder gar PC [sprich “Pee-Zeh”]).

Dass Englisch auch kein Allheilmittel ist, sieht man an den kleinen Teilen, die ein paar Gigabyte und einen USB-Stecker mitbringen: heißen die nun memory drive, flash drive, USB drive oder ganz anders? Ein bisschen problematisch ist, dass drive für Laufwerk oder Antrieb steht, während die Teile doch gerade den Vorzug haben, ohne Mechanik auszukommen. Zugegeben, Speicherstöpsel hat sich bisher auch noch nicht durchgesetzt…

Von gt unter • GesellschaftSpracheTechnik
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